Jahr 1 — Kompetenzbildung
Im ersten Jahr nach ihrer Wahl nehmen die Frauen an dem dreitägigen Women’s Leadership Workshop teil,
der
- ihnen ihre eigene Persönlichkeit und die Menschenrechte bewusst macht
- sie über ihre Rechte und Pflichten als Panchayat-Abgeordnete belehrt
- ihre Kompetenz entwickelt, Visionen zu schaffen und Aktionen für deren Erreichung zu planen
- sie mit Regierungsvertretern und anderen hilfreichen Personen ihrer Gegend zusammen bringt.
Dies alles wird drei Monate später in einem Nachfolge-Workshop
und durch weitere Workshops vertieft, die auf die persönlichen Anforderungen der Frauen ausgerichtet werden,
um ihre Fähigkeiten auf Gebieten wie Kommunikation und Finanzen sowie ihre Kenntnisse über die Gesetzgebung
und die Regierungsprogramme zu stärken.
Jahr 2 — Mikroplanung
Im zweiten Jahr arbeiten wir mit den Panchayats zusammen, um „Bottom-up“- bzw. “Mikropläne” zu entwickeln,
mit deren Hilfe die Dörfer ihre Grundbedürfnisse sicherstellen können. Diese Pläne sind keine Wunschliste.
„Bottom-Up“-Planung bedeutet, dass die verfügbaren Ressourcen beurteilt und Strategien, die von den Menschen
selbst umgesetzt werden können, entwickelt werden.
Wenn Ressourcen der örtlichen Behörden erforderlich sind,
wie zum Beispiel für die Verbesserung von Schulen und der Gesundheitsversorgung, gehört der Aufbau guter
Beziehungen mit lokalen Amtsinhabern zur Planung.
Im zweiten Jahr gibt es für die weiblichen Abgeordneten weiterhin kompetenz-bildende Workshops, besonders zum
Thema „Regierungsprogramme“. Wir bemühen uns außerdem darum, Frauen für die Teilnahme an den gram sabhas zu
mobilisieren, wo alle Pläne und Budgets des Panchayats genehmigt werden müssen.
Jahr 3 — Solidarität
Bei ihren Aktionen stoßen die Dörfer unweigerlich auf bürokratische Hindernisse. Um derartige Hindernisse am
besten zu überwinden — und den Prozess zur Eigenständigkeit in den Dörfern aufrecht zu erhalten — schließen sich
Frauenabgeordnete solidarisch zusammen. Dies geschieht auf der lokalen Ebene (100+ Dörfer), sowie auf Distrikt-
und bundesstaatlicher Ebene.
Lokal können so monatliche Foren zur gegenseitigen Unterstützung angeboten werden.
Auf bundesstaatlicher Ebene trifft sich jährlich eine große Zahl der gewählten Frauen, um gemeinsam Änderungen
auf politischer Ebene einzufordern.
Jahr 4 — Politischer Einfluss
Im vierten Jahr, wenn alle Pläne feststehen und sich die Solidargruppen der Frauenabgeordneten gebildet haben,
konzentriert sich das Hunger Projekt darauf, die Umsetzung der Pläne der Panchayats und die damit verbundene
nachhaltige Verbesserung der Lebensbedingungen sicherzustellen.
Falls die Frauen auf größere rechtliche Hindernisse
gestoßen sind, sind sie jetzt stark genug, politische Veränderungen zu fordern und sich manchmal sogar im Interesse
der Allgemeinheit in Rechtsstreiten zu engagieren.
Zum Beispiel in 2004 mobilisierte das Hunger Projekt 2000 Frauen
in Bihar, um gegen die Regierung des Bundesstaates zu demonstrieren, die es versäumt hatte, Schlüsselmaßnahmen der
73sten Verfassungsänderung umzusetzen. Der darauf folgende Rechtsstreit führte zu den gewünschten Änderungen.
Jahr 5 — Zunehmende Wahlbeteiligung der Frauen
Das Hunger Projekt führt vor Wahlen große Kampagnen durch, um die Teilnahme von Frauen - sowohl als unabhängige
Wählerinnen, als auch als Kandidatinnen - zu fördern. Da die reservierten Sitze in jeder Amtsperiode an andere
Gebiete eines Wahlbezirks fallen, werden immer wieder neue Frauen ermutigt, vorzutreten und sich um die Sitze zu
bewerben.
Darüber hinaus werden Frauen, die schon eine Amtsperiode hinter sich haben, darin bestärkt, sich zur
Wiederwahl zu stellen, und mit den Männern um die nicht reservierten Sitze zu kämpfen.