Bis zum UN-Weltgipfel für Kinder Ende 1990 war der Hauptzweck des Hunger Projekts,
entwicklungspolitische Informations- und Bildungsarbeit zu leisten.
Das Hunger Projekt wollte damit zur individuellen und politischen Willensbildung
beitragen und die Überwindung chronischer Unter- und Mangelernährung als eine
vordringliche gesellschaftspolitische Aufgabe im Bewusstsein der Menschen verankern.
Senkung der Säuglingssterblichkeitsrate als vordringliches Ziel
Vordringliches Ziel war es damals (und auch heute noch ist es ein wichtiges Ziel), die
Säuglingssterblichkeitsrate (SSR) in jedem Land der Erde zu senken - auf weniger als 50
Kinder von 1000 Lebendgeborenen, die im ersten Lebensjahr sterben. Zum Vergleich:
In Deutschland beträgt die SSR 5.
Gemeinsam mit verschiedenen UN-Organisationen (z.B. FAO, UNICEF) wollte man dieses Ziel bis zum Jahr 2000 erreicht haben.
Um dieses Ziel zu erreichen, wurden in der Zeit bis 1990 u.a. folgende Strategien und Aktionen verfolgt:
Seminare
Durchführung von Seminaren zu der Frage der Überwindung chronischer Unter- und Mangelernährung.
Mehr als 750.000 Menschen aus 19 Ländern nahmen daran teil.
Soziale Mobilisierung
Über 5 Millionen Menschen auf allen Kontinenten erklärten in dieser Zeit
schriftlich ihren persönlichen Willen und ihre persönliche Verantwortung für die Überwindung
chronischer Unter- und Mangelernährung.
Zeitungspublikation
Veröffentlichung der Zeitung "A Shift in the Wind", die zur meist gelesenen Veröffentlichung weltweit
zum Thema Hunger und Entwicklungshilfe wurde.
Buchpublikation
Nach fünfjährigen Recherchen wurde 1985 das Buch "Ending Hunger: An idea whose time has come" veröffentlicht
und war mit über 80.000 verkauften Exemplaren ein Sachbuch-Bestseller. In Deutschland wurde es in einer
„Buchpatenschafts-Aktion“ u.a. an alle Mitglieder des deutschen Bundestages übergeben.
Afrika-Preis
Seit 1987 findet die jährliche Verleihung des "Afrika-Preises für die nachhaltige Beendigung des Hungers" statt.
Mit diesem Preis werden führende afrikanische Persönlichkeiten geehrt, die Außergewöhnliches zur Beendigung
chronischen Hungers in ihrem Land geleistet haben und leisten.
Anfang der 90er Jahre musste das Ziel - Senkung der Säuglingssterblichkeit - dann zeitlich revidiert werden.
Dennoch wurden Fortschritte in der Arbeit erzielt:
Die Säuglingssterblichkeitsrate (SSR) sank zwischen 1970 und 1999 weltweit von 96 auf 56 Todesfälle im ersten
Lebensjahr pro 1.000 Lebendgeburten.
In Südasien sank sie von 128 auf 69 und in Afrika südlich der Sahara von 138 auf 107.