Welt-Aids-Tag 1. Dezember 2008

“Wir müssen sogar mit unseren Traditionen brechen, um die Machtverhältnisse zu ändern; denn nur so können wir unsere Kinder und Enkelkinder vor der Ansteckung mit HIV bewahren.“
(Graça Machel, Präsidentin der “Community Development Foundation“ , frühere Bildungsministerin von Mosambik und Trägerin des Hunger Projekt Afrika-Preises 1992.)

Am 1. Dezember 2008 findet der Welt-Aids-Tag zum 20sten Mal statt. Als er 1988 zum ersten Mal durch die WHO ausgerufen wurde, waren weltweit 45.000 Aidsfälle bekannt. Heute leben mehr als 30 Millionen Menschen mit Aids oder sind HIV positiv. Zum ersten Mal sind die durch Aids verursachten Todesfälle dank neuer Behandlungsmethoden zwar gesunken, aber es starben 2007 immer noch 2,1 Millionen Menschen und die Krankheit breitet sich weiterhin aus. Auf zwei Menschen, die mit der Behandlung beginnen, kommen fünf Menschen, die sich neu infizieren. (UNAIDS 2008).

Besonders verheerend ist die Ausbreitung in Afrika südlich der Sahara. 72 Prozent der durch Aids verursachten Todesfälle treten hier auf. 90 Prozent der Kinder, die an den Folgen von Aids sterben, stammen aus dieser Region (UNAIDS 2008). Und jedes Jahr gibt es Millionen von Neuinfizierten. (The Global Fund 2008).

Der UNAIDS-Bericht 2008 unterstreicht, dass ein nachhaltiger Fortschritt bei der Aidsbekämpfung nur erreicht werden kann, wenn sich soziale Bedingungen ändern, die zur Ausbreitung beitragen. Als Schlüssel hierzu nennt der Report die Gleichstellung der Geschlechter.

Gender und HIV/Aids

Der Bericht nennt folgende Beispiele geschlechtlicher Benachteiligung, die zur Ausbreitung der Epidemie führen:

Der Bericht unterstreicht, dass nicht nur die Geschlechtergleichstellung bei dem Zugang zu HIV-Beratungs- und Hilfsdiensten hergestellt werden muss, sondern auch die Armut bei Frauen bekämpft und ihre wirtschaftliche Unabhängigkeit gefördert werden müssen, wenn die Ausbreitung von Aids eingedämmt werden soll.

Eine Studie aus Botswana und Swasiland zeigt, dass Frauen, die unter Hunger leiden, mit einer 70 Prozent geringeren Wahrscheinlichkeit selbst über ihre sexuellen Partnerschaften bestimmen, mit einer 70 Prozent höheren Wahrscheinlichkeit ungeschützten Sex haben und mit einer 80 Prozent höheren Wahrscheinlichkeit Sex aus wirtschaftlicher Not praktizieren als ausreichend ernährte Frauen.

Die Initiative des Hunger Projekts gegen HIV/Aids und die Ungleichstellung der Geschlechter

2003 entwickelte das Hunger Projekt einen speziellen Workshop „HIV/Aids and Gender Inequality“, an dem bisher mehr als 600.000 Menschen im ländlichen Afrika südlich der Sahara teilgenommen haben. Die in lokalen Sprachen abgehaltenen Workshops verbinden klare und präzise Informationen über HIV/Aids mit einer Kampagne zur Veränderung der Geschlechterrollen und dem Ende gefährlicher Sexualpraktiken, um die Ausbreitung der Epidemie zu stoppen.

Als Ergebnis dieser Arbeit stieg die Nutzung von Kondomen bei Männern und Frauen. Besonders in Malawi war die Einführung der Frauenkondome ein großer Erfolg. Programme mit Beratungen und Tests werden erfolgreich durchgeführt. Männer beginnen sich ihrer Verantwortung bei der Übertragung von Aids bewusst zu werden. In den Dorfgemeinschaften werden die tradierten Geschlechterrollen überdacht. So nimmt die häusliche Gewalt ab, gefährliche Sexualpraktiken - wie die Verpflichtung junger Witwen, mit einem Dorfältesten Sex zu haben - werden abgeschafft und mehr Mädchen gehen zur Schule.

Das Hunger Projekt Programm schult außerdem Führungskräfte vor Ort. Frauen und Männer in Afrika haben bewiesen, dass sie sich selbst und ihre Familien vor Aids schützen können, wenn sie klar informiert werden, und es schaffen, soziale Tabus und Verhaltensmuster zu brechen, die die Ausbreitung der Krankheit fördern.

Graça Machel zitiert aus dem Artikel von Kerry Cullinan, "Graça Machel lambasts governments' poor AIDS response." Centre for the Study of AIDS, 10/11/2002. UNAIDS. UNAIDS Report on the Global AIDS Epidemic 2008. Genf, August 2008. The Global Fund to fight AIDS, Tuberculosis, and Malaria: "Fighting AIDS." In: www.theglobalfund.org/en/hivaids/background/ (Nov. 2008)