Bericht von der Aktivenkonferenz – Schwerpunkte, Ziele und Aktionen

Unter reger Beteiligung von Vereinsmitgliedern, Aktiven und Gästen fand am 28. und 29. März die diesjährige Aktivenkonferenz des Hunger Projekts e.V. statt. Inhaltlich eingebettet in die Konferenz wurde die Mitgliederversammlung des Vereins. Auf dem Programm standen neben dem Tätigkeitsbericht des Vereins und der Entlastung sowie Wahl des Vorstands auch die Erarbeitung von Konzepten und Ideen zum Fundraising und zur Professionalisierung der Arbeit im Aktivennetz. Das Wichtigste auch bei dieser Aktivenkonferenz war jedoch die persönliche Begegnung und der direkte Gedankenaustausch. “Ermutigend, inspirierend, zielgerichtet“, so das Fazit vieler Aktiver.

In Orientierung an dem von VENRO herausgegebenen Verhaltenskodex für Mitgliedsorganisationen wurde dieses Jahr die jährliche Mitgliederversammlung des Hunger Projekts e.V. in die Aktivenkonferenz eingebettet. Damit trug der Vorstand der Idee Rechnung, die Rolle des Vereins und seine Funktion als richtungsweisendes Organ für die Arbeit der Aktiven zu stärken. Gleichzeitig bot er damit allen Aktiven -auch den Nichtmitgliedern- die Möglichkeit, sich intensiver über die Vereinsarbeit im Jahr 2008 und die Diskussionsprozesse zu informieren.

Mechtild Frey, als Vorstandsvorsitzende, stellte den Rechnungsbericht vor und der Vorstand wurde einstimmig entlastet. Der Bericht machte allerdings auch klar, dass es aufgrund der derzeitigen wirtschaftlichen Lage schwieriger geworden ist, neue Investoren zu gewinnen. Die Menschen sehen sich mit eigenen finanziellen Problemen konfrontiert und konzentrieren sich –verständlicherweise- darauf, diese für sich zu lösen. Dies bedeutet für die Arbeit des Hunger Projekts und sein Aktivennetzwerk, das Fundraising noch konzentrierter und zielgerichteter zu betreiben. Alexandra Wulff, neue Mitarbeiterin im Bereich Expansion und Marketing, bringt hierfür genau das nötige Know-how ein, um mit gebündelter Arbeitskraft strategisch richtig vorgehen zu können.

An diesem Punkt wurde durchaus auch kontrovers darüber diskutiert, welches das richtige Verhältnis zwischen Einnahmen und Ausgaben in einem gemeinnützigen Verein ist. Das DZI-Spenden-Siegel setzt klare Richtlinien, die das Hunger Projekt auch für das Jahr 2008 erfüllt hat. Das ist gut und sinnvoll und schützt vor Missbrauch anvertrauter Finanzmittel. Es kann aber auch dazu führen, dass Ausgaben plötzlich stark eingeschränkt werden müssen, wenn die erwarteten Investitionen ausbleiben. Dies erschwert dann die Kontinuität der Arbeit. Hinzu kommt, dass auch eine Non-Profit-Organisation für bestimmte Aufgaben Fachleute braucht, die nur begrenzt ehrenamtlich arbeiten können, und eine kurzfristige Einschränkung der Mittel hierfür nur schwer möglich ist.

Um das vorhandene Fachwissen und die Kompetenzen der Vereinsmitglieder effektiver zu nutzen, wurde die Erweiterung des Vorstandes beschlossen. Jemima Hartshorn, z.Zt. Rechtsreferendarin am Hanseatischen Oberlandesgericht Hamburg, wurde für den Bereich "Einbindung der nächsten Generation" einstimmig in den Vorstand gewählt. Zusätzlich sucht das Hunger Projekt noch erfahrene Fachleute mit Expertise in Organisation- und Personalentwicklung, Entwicklungspolitik und im Bereich Vertrieb, die ehrenamtlich im Vorstand mitarbeiten.

Für die kommenden Jahre setzt sich das Hunger Projekt in Deutschland folgende Schwerpunkte:

  1. Expansion und Fundraising: Dies ist der wichtigste Schwerpunkt, auf den alle weiteren ausgerichtet werden sollen. Das Hunger Projekt ist in der glücklichen Lage, viele treue Investoren zu haben, die es gilt, weiterhin von dem Wert ihrer Investition zu überzeugen. Es sollen aber auch neue Investoren gewonnen und die Möglichkeiten der Förderung durch Stiftungen stärker genutzt werden.
  2. Auf- und Ausbau von Marketing: Der Bekanntheitsgrad des Hunger Projekts soll durch eine pro bono Werbekampagne, verbesserte Pressearbeit, Info-Abende und Präsentationen deutlich erhöht werden. Hierzu soll Material erarbeitet werden, auf das auch die Aktiven zugreifen können, um es bei ihren Aktionen einzusetzen.
  3. Auf- bzw. Ausbau des Aktivennetzwerkes: Die Aktiven tragen einen Gutteil der Informationsarbeit und der Benefizaktivitäten. Zu ihrer Unterstützung wurde Barbara Wittmann eingestellt, die nun Kontaktperson für alle Aktive ist. Durch diese zentrale Anlaufstelle werden Wissen und Erfahrungen effektiv gebündelt und für alle nutzbar.
  4. Globales Lernen etablieren: Die Auseinandersetzung mit dem Thema Entwicklungszusammenarbeit soll langfristig besonders an Schulen etabliert werden. Besonders Seminare in der Lehreraus- und -fortbildung bieten viele Möglichkeiten, die in Bayern schon genutzt werden. An den Schulen wird durch Sponsorenläufe und andere Aktionen wie BallonMillion und Tag des Ehrenamtes nicht nur Geld generiert, sondern auch eine Sensibilisierung für das Thema erreicht. Besonders in diesem Bereich ist die Zusammenarbeit mit anderen Organisationen in Aktionsbündnissen wertvoll, um größere Aufmerksamkeit zu bekommen. Für Aktive, die nicht in Regionalgruppen eingebunden sind, bieten sich über die Plattform „Deine Stimme gegen Armut“, an der das Hunger Projekt beteiligt ist, viele Möglichkeiten, Aktionen anzuregen.
  5. In einer Zeit der Negativschlagzeilen tat es gut, bestätigt zu bekommen, dass aktive Menschen etwas bewegen wollen und können. Die Aktiven ließen sich nicht durch die erschwerte allgemeine Lage entmutigen, sondern entwickelten gemeinsam Strategien, um die Arbeit des Hunger Projekts zu verbessern und die gesteckten Ziele zu erreichen. Allen war durchaus bewusst, dass dies in diesem Jahr eine besondere Herausforderung sein wird und sicher auch Rückschläge verarbeitet werden müssen. Die Teilnehmer konnten aber aus dem Zusammensein neue Kraft schöpfen und spürten, dass die gemeinsame Vision einer Welt ohne Hunger und Armut weiterhin eine starke innere Verbindung herstellt. “Ermutigend, inspirierend, zielgerichtet“, so das Fazit vieler Aktiver dieser Konferenz.